Mittwoch, 22. Oktober 2014

Taylor Wilson

Taylor Wilson präsentiert Barack Obama den Fusor
Der US-amerikanische Student Taylor Wilson wurde am 7. Mai 1994 geboren. Er wurde 2008 bekannt weil er im Alter von 14 Jahren - als jüngste Person - laut Pressemeldungen einen "funktionierenden" Kernfusionsreaktor gebaut hat. Was er - nicht alleine - gebaut hat ist jedoch ein sogenannter Fusor, also ein Gerät mit dem Plasma hoher Dichte und hoher Ionenenergie alleine oder vor allem mit Hilfe eines elektrischen Feldes erzeugt werden kann. Die Konstruktion solcher Anlagen ist ein beliebtes, wenn auch anspruchsvolles Projekt von Hobby-Bastlern, und Wilson ist der 32. Hobbybastler, dem die Konstruktion gelang. Von einem Kernfusionsreaktor ist das aber noch Lichtjahre entfernt.

Wilson fing früh an auf physikalischem Gebiet zu experimentieren, wobei ihn besonders Bombenbau, Radioaktivität und Atomtechnik anzogen. Seine Eltern haben keinen wissenschaftlichen Hintergrund (sein Vater Kenneth ist Unternehmer, Coca-Cola-Abfüller, die Mutter Yogalehrerin) und versuchten vergeblich, den sehr ehrgeizigen und uneinsichtigen Schüler von seinem gefährlichen Hobby abzubringen.

Da er einiges Talent zeigte, wurde er an der Davidson Academy of Nevada für hochbegabte Schüler akzeptiert, wo er mit Physikern der University of Nevada in Reno wie Friedwardt Winterberg in Kontakt kam. Mit Unterstützung von Technikern der Universität gelang ihm der Bau eines Fusors, wie schon mehreren Hobbybastlern vorher. Zu einem von ihnen in Los Alamos hatte er auch intensiveren Kontakt und erhielt Unterstützung aus der Industrie bei der Beschaffung der notwendigen teuren Hochspannungsteile.

Nach eigenen Worten war sein Motiv für den Bau des Fusors vorgeblich die billigere Erzeugung von Isotopen gegen Krebs. Der Fusor selbst, dessen Ideen auf den Fernseh-Ingenieur Philo T. Farnsworth in den 1960er Jahren zurückgehen, ist zur Energieerzeugung aus Fusion ungeeignet, er kann aber zum Beispiel als Neutronenquelle benutzt werden. Taylor demonstrierte seinen Fusor auch US-Präsident Barack Obama auf einer Wissenschaftsmesse (Science Fair) im Weißen Haus.

Wilson entwickelte auch einen Neutronendetektor, der ohne teures Helium-3 auskommt und verwendet werden könnte, um in Gütercontainern geschmuggelte radioaktive Bomben aufzuspüren. Wilson reichte diese Erfindung zum Patent ein und gewann die Auszeichnungen "First Place Award in the Physics and Astronomy Category", "Best of Category Award", sowie auf der Intel International Science and Engineering Fair den mit 50.000 US-Dollar dotierten Preis "Intel Young Scientist Award". Auch die US-Heimatschutzbehörde zeigte Interesse.

Lebenslauf

7. Mai 1994. Taylor Wilson wird geboren.

2008. Taylor wird durch den Bau eines Fusors bekannt.

2012. Er studiert an der University of Nevada in Reno und an der Davidson Academy of Nevada und stellt seine bisherige Arbeit auf einer TED-Konferenz (Abkürzung für Technology, Entertainment, Design) vor.

Februar 2013. Taylor präsentiert auf TED seine zukünftigen Projekte.

Bilder aus Wikimedia Commons
Taylor Wilson präsentiert Barack Obama den Fusor, Lizenz: Public Domain, Urheber: Megan Slack (Federal Employee)

Quellen


Sonntag, 19. Oktober 2014

Vandenberg Air Force Base

Vandenberg Air Force Base
Die US-amerikanische Luftwaffenbasis Vandenberg Air Force Base (VAFB) erstreckt sich über ungefähr 40 Kilometer sich an der Pazifikküste in Kalifornien zwischen Los Angeles und San Francisco. Benannt ist sie nach General Hoyt S. Vandenberg.

Sie dient vorwiegend als Raketenstartplatz, wird aber auch zur Landung unbemannter Raumfahrzeuge wie der Boeing X-37B verwendet. Der Weltraumbahnhof wird auch für zivile Starts von der NASA genutzt. Der erste Start erfolgte am 28. Februar 1959, wobei der Erdsatellit Discoverer 1 von Vandenberg aus in eine polare Erdumlaufbahn gebracht wurde.

In Vandenberg gibt es insgesamt 50 Startrampen; die Hälfte davon sind Silos für unterirdische Starts.

Vandenberg ist neben der Cape Canaveral Air Force Station (nahe bei, aber nicht identisch mit dem Kennedy Space Center) und Wallops Flight Facility der dritte Raketenstartplatz in den USA. Er wurde gebaut, weil Satelliten mit einer Bahnneigung von mehr als 56 Grad nicht von dem an der Ostküste gelegenen Cape Canaveral aus gestartet werden konnten, weil die Raketen nicht mehr das Meer, sondern das – wenn auch nur dünn besiedelte – Festland hätten überfliegen müssen. Man sah sich deshalb gezwungen, sich nach einem Standort für eine weitere Basis an der Westküste der USA umzusehen, wo die Projektile entgegen der Erdrotation auf den Pazifik hinausfliegen und so Bahnneigungen von bis zu 104 Grad (sonnensynchron) erreichen konnten.

Auf dem Gelände befindet sich ein Denkmal zur Erinnerung an die Schiffskatastrophe bei Honda Point vom 8. September 1923, den größten Schiffsverlust der United States Navy im Frieden.

Geschichte

1941. Die Unites States Army benötigt mehr und bessere Ausbildungsstätten für die schnelle und bessere Entwicklung ihrer Infanteriestreitkräfte. Daher erschließt sie für das Ausbildungslager Camp Cooke ein Gelände mit 86.000 km² Farmland entlang der kalifornischen Küste zwischen Lompoc und Santa Maria. Ein Großteil des Landes wird käuflich erworben, kleinere Stücke auch gepachtet, geleast oder enteignet. Wegen seiner flachen Plateaus, den umgebenden Wäldern, den vielen Canyons und der Abgelegenheit ist sich die United States Army sicher, einen geeigneten Platz für ihre Zwecke gefunden zu haben.

September 1941. Der Bau des Armeelagers beginnt.

5. Oktober 1941. Die United States Army nimmt dieses Lager schon Monate vor seiner eigentlichen Fertigstellung in Betrieb um Streitkräfte zu trainieren. Es wird zu Ehren des Major General Phillip St. George Cooke Camp Cooke genannt.

1942. Camp Cooke wird komplett fertig gestellt.

Februar/März 1942. Die 5. Amerikanische Panzerdivision zieht in Camp Cook ein. Das ständige Lärmen der Panzer und der Artillerie wird dort alltäglich bis zum Ende des Krieges.
Neben der 5th Armored Division, 6th Armored Division, 11th Armored Division, 13th Armored Division, 20th Armored Division, 86th Infantery Division, 97th Infantery Division, und dem 2. Philippinischen Infanterieregiment durchlaufen viele Einheiten diese Ausbildungsstation. Insgesamt über 400 unterschiedliche Einheiten absolvieren das Camp Cooke vor ihrer Verschiffung nach Europa oder Asien.
Im Verlauf des Krieges werden deutsche und italienische Kriegsgefangene in Camp Cooke interniert. Beide Gruppen werden in Übereinstimmung mit den Genfer Konventionen getrennt verwahrt. Es werden ihnen u. a. Arbeiten bei der Post, als Geistliche, in der Landwirtschaft, in der Instandhaltung zugewiesen.

1946. Auf dem Gelände ein Hochsicherheitstrakt für die United States Army eingerichtet. Militärgefangene aus allen Teilen der Armee sind dort inhaftiert.

Juni 1946. Nach der Schließung von Camp Cooke erhält das Aufsichtspersonal gleichzeitig die Pflicht zur Instandhaltung der gesamten Anlage. So gut wie das gesamte Gelände wird als Acker- und Weideland verpachtet.

August 1950. Mit dem Ausbruch des Koreakrieges wurde das Lager reaktiviert. Camp Cooke dient als Ausbildungslager für Einheiten, die in den Koreakrieg ziehen und als Sommertrainingslager für Reserveeinheiten. 

1. Februar 1953. Camp Cooke wird erneut geschlossen.

16. Juni 1956. Die US Air Force erhält vom US-Verteidigungsministerium einen Teil von Camp Cooke und benenn ihn in Cooke Air Force Base. 

1. Juli 1957. Die 704th Strategic Missile Wing ist als erste US-Raketeneinheit mit Interkontinentalraketen einsatzbereit.

4. Oktober 1958. Die Cooke Air Force Base wird zu Ehren des General Hoyt S. Vandenberg in Vandenberg Air Force Base umbenannt.

16. Dezember 1958. Vom Vandenberg AFB Space Launch Complex 2 wird die erste Rakete in Vandenberg, eine Thor Mittelstreckenrakete (englisch Intermediate Range Ballistic Missile, IRBM) gestartet. Der Startkomplex verfügt zunächst über zwei Startplätze. Er dient zum Start von verschiedenen Raketen (Delta, Delta II, Thor-Agena) die zivile Nutzlasten und Spionagesatelliten in die Erdumlaufbahn bringen.

21. Januar 1959 bis 14. Dezember 1971. Vom Vandenberg AFB Space Launch Complex 1 werden mit der Thor Agena D hauptsächlich Keyhole-Spionagesatelliten gestartet. Er verfügt über zwei Startplätze.

28. Februar 1959. Mit einer Thor/Agena-Rakete wird der Satellit Discoverer 1, der erste die Erde in einer polaren Umlaufbahn umkreisende Satellit, gestartet.

16. April 1959 bis 19. Juni 1962. Vom Vandenberg AFB Space Launch Emplacement 8 (LE-8, früher auch 75-2-8) finden sieben Starts der Thor-Mittelstrackenrakete Thor DM-18 statt. Er verfügt über einen Startplatz.

Juni 1959. Baubeginn des Raketensilos Vandenberg AFB Launch Complex Operational Suitability Test Facility (OSTF) für die Titan I-Rakete. Am 3. Dezember 1960 kommt es bei einem Test mit einer vollgetankten Rakete zu einer Explosion. Der Startkomplex wird dabei weitgehend zerstört. Opfer gibt es nicht zu beklagen. Die US Air Force verwirft eine Wiederinstandsetzung.

16. Juni 1959 bis 15. Juli 1980. Vom Vandenberg AFB Space Launch Complex 10 wurden Starts mit Raketen vom Typ Thor durchgeführt. Vor allem um militärische Wettersalelliten in die Erdumlaufbahn zu bringen.

14. Juli 1959 bis 25. März 1966. Vom Vandenberg AFB Launch Complex A finden 39 militärische und wissenschaftliche Starts der US Air Force, der US Navy und der NASA mit verschiedenen Höhenforschungsraketen (Asp, Astrobee, Black Brant, Dac Roc, Honest John, Javelin, Journeyman Scout, Seagull) statt.

August 1959. Das Militärgefängnis wird an die Federal Bureau of Prisons übergeben und später als „United States Penitentiary“ in Lompoc bekannt.

9. September 1959 bis 4. März 2011. Vom Vandenberg AFB Launch Complex 576 (LC-576) werden insgesamt 191 Starts durchgeführt. Er besteht aus insgesamt 11 Startanlagen (576-A bis 576-G). 
Am 9. September 1959 wird dort die erste Atlas-Rakete gestartet. Danach folgen zahlreiche Atlas-Agena-Raketen, unter anderem im Rahmen des Missile Defense Alarm System (MIDAS). Nach der Ausmusterung der Atlas aus dem strategischen Arsenal der USA im Jahr 1965 werden bis 1974 weiterhin Starts von Atlas-Raketen als Ziele für die Raketenabwehrentwicklung der USA bzw. als Satellitenträger durchgeführt. Fast 30 Jahre nach dem letzten Atlas-Start vom Startplatz 576-E werden von dort erneut Starts, diesmal mit der Trägerrakete Taurus, durchgeführt.

4. Februar 1960 bis 11. Mai 1963. Vom Vandenberg AFB Launch Complex B  finden 23 militärische Starts mit verschiedenen Höhenforschungsraketen (Astrobee, Cajun, Deacon, Hopi, Terrier, Viper) statt.

1. Juli 1960. Durch den Erwerb der beiden Atolle Eniwetok und Kwajalein wird das Startgebiet im pazifischen Raum (Pacific Missile Range) erweitert und zur Unterstützung der VAFB benutzt.

10. August 1960. Es startet eine Thor/Agena-A-Rakete mit dem Satelliten Discoverer 13. Einen Tag später wird eine Kapsel abgeworfen und kehrt zur Erde zurück. Mit dieser Mission wird zum ersten Mal ein Flugkörper aus dem Orbit wieder im Pazifik geborgen.

Ab 11. Oktober 1960. Vom Vandenberg AFB Space Launch Complex 3 werden vor allem Atlas-Raketen mit Spionagesatelliten gestartet. Er besteht aus den zwei Startplattformen SLC-3E und SLC-3W. Im Jahr 2003 wird der Startkomplex 3E zum Start von Atlas-V-Raketen umgebaut. Der Startkomplex 3W wird kurzzeitig zur Erprobung der Falcon-1-Rakete genutzt.

1961. Es folgen Starts von Titan I- und später von Titan-II-Interkontinentalraketen (engl. Inter Continental Ballistic Missile, ICBM).

3. Mai 1961. Vom Vandenberg AFB Silo Launch Test Facility (SLTF) startet weltweit zum ersten Mal unterirdisch aus einem Silo eine Rakete. Der Start der modifizierten Titan-1 Rakete bleibt der einzige Start auf der SLTF.

23. September 1961 bis 28. Juni 1976. Vom Vandenberg AFB Launch Complex 395 (LC-395) werden insgesamt 77 Titan-I- und Titan-II-Interkontinentalraketen gestartet. Er besteht aus 4 Startanlagen.

26. April 1962 bis 9. Mai 1994. Vom Vandenberg AFB Space Launch Complex 5 werden Scout-Raketen mit diversen Nutzlasten gestartet.

Ab 28. September 1962. Vom Raketensilo Vandenberg AFB Launch Facility 04 aus werden 86 Forschungs- und Erprobungsstarts mit Minuteman-Raketen durchgeführt. Der erste Start einer Minuteman 1 ICBM Rakete ist ein Fehlstart.

Ab 10. Dezember 1962. Vom Raketensilo Vandenberg AFB Launch Facility 05 aus werden 60 Forschungs- und Erprobungsstarts durchgeführt. Zunächst mit der Minuteman-Rakete. Ab 1990 mit der LGM-118 Peacekeeper.

Ab 11. April 1963. Vom Raketensilo Vandenberg AFB Launch Facility 06 aus werden 83 Forschungs- und Erprobungsstarts durchgeführt. Zunächst mit der Minuteman-Rakete. Ab 2000 mit der Minotaur-Rakete.

Ab 12. April 1963. Vom Raketensilo Vandenberg AFB Launch Facility 02 aus werden 76 Forschungs- und Erprobungsstarts durchgeführt. Zunächst mit der Minuteman-Rakete. Ab 1986 mit der LGM-118 Peacekeeper.

Ab 30. April 1963. Vom Raketensilo Vandenberg AFB Launch Facility 03 aus werden 97 Forschungs- und Erprobungsstarts durchgeführt. Zunächst mit der Minuteman-Rakete. Am 16. März 2002 wird dort eine Rakete vom Typ Minotaur gestartet.

Ab 24. Mai 1963. Vom Raketensilo Vandenberg AFB Launch Facility 07 aus werden 64 Forschungs- und Erprobungsstarts mit Minuteman-Raketen durchgeführt.

Ab 12. Juli 1963. Vom Vandenberg AFB Space Launch Complex 4 werden vor allem Atlas-und Titan-Raketen mit Spionagesatelliten gestartet. Er besteht aus den zwei Startplattformen SLC-4E und SLC-4W. Im Jahr 2003 wird der Startkomplex 3E zum Start von Atlas-V-Raketen umgebaut. Am 29. September 2013 wird von dort die erste Rakete vom Typ Falcon 9 v1.1 gestartet.

Ab 26. September 1963. Vom Raketensilo Vandenberg AFB Launch Facility 08 aus werden 67 Forschungs- und Erprobungsstarts durchgeführt. Zunächst mit der Minuteman-Rakete. Von 1985 bis 1991 mit der LGM-118 Peacekeeper. Am 4. Februar 1994 wird mit dem Astrid-Testvehikel erstmals der sogenannte „Laser-Pumped-Propulsion“-Antrieb getestet. Astrid erreicht hierbei eine Höhe von 2 km. Danach werden keine Tests mehr von LF-08 durchgeführt.

17. Dezember 1963 bis 11. Januar 1967. Vom Vandenberg AFB Launch Complex 4300 (LC-4300) werden 2 Starts durchgeführt. Zuerst wird die Blue Scout mit der Nutzlast Blue Scout Jr SLV-1C 302 ERCS 279L gestartet.  Zuletzt die Sergeant mit der Nutzlast Marquardt Scramjet. Er besteht aus einer Startanlage.

Ab 29. Juni 1964. Vom Raketensilo Vandenberg AFB Launch Facility 09 aus werden 92 Forschungs- und Erprobungsstarts mit Minuteman-Raketen durchgeführt.

1. Juli 1964. Das südlich gelegene Marinegelände Point Arguello wird in die Vandenberg AFB eingegliedert. 

25. September 1964. Die NASA startet den Kommunikationssatelliten Echo 2 mit einer Thor-Agena-B-Rakete. Während dieser Mission wird eine Funkverbindung von England zur UdSSR hergestellt. Dies ist die erste Zusammenarbeit in der Weltraumforschung zwischen der Sowjetunion und der USA.

Ab 28. August 1965. Vom Raketensilo Vandenberg AFB Launch Facility 21 aus werden 34 Forschungs- und Erprobungsstarts durchgeführt. Zunächst mit der Minuteman-Rakete. 2001 und 2004 finden Testflüge mit der Orbus-Rakete im Rahmen des nationalen Raketenabwehrprogrammes der USA statt.

Ab 16. Dezember 1965. Vom Raketensilo Vandenberg AFB Launch Facility 24 aus werden 13 Forschungs- und Erprobungsstarts mit Minuteman-Raketen durchgeführt.

Ab 16. Dezember 1966. Vom Raketensilo Vandenberg AFB Launch Facility 25 aus werden 22 Forschungs- und Erprobungsstarts mit Minuteman-Raketen durchgeführt.

Ab 26. August 1966. Vom Raketensilo Vandenberg AFB Launch Facility 23 aus werden 4 Forschungs- und Erprobungsstarts durchgeführt. Zunächst wird von dort eine Minuteman 2-Rakete gestartet. Seit 2003 finden von LF-23 im Rahmen des Raketenabwehrprogrammes der USA Tests mit dem sogenannten Orbital Boost Vehicle statt.

Ab 6. Oktober 1966. Vom Raketensilo Vandenberg AFB Launch Facility 22 aus werden 18 Forschungs- und Erprobungsstarts mit Minuteman-Raketen durchgeführt.

1966. Die Startanlagen vom Marinegelände Point Arguello werden umbenannt.

25. August 1966 bis 14. Juli 1982. Vom Vandenberg AFB Bomarc Complex (LC-395) werden 87 Testflüge des Bomarc-Flugabwehrkörpers der US Air Force ausgeführt. Er besteht aus zwei Startplätzen, Bomarc 1 und Bomarc 2.

1966 bis 1969. Die US Air Force entwickelt am Startkomplex VAFB SLC-6 ein bemanntes Weltraumlabor (Manned Orbiting Laboratory, MOL), das mit einer Titan-III-Rakete ein zum Weltraumlabor umgebautes Gemini-B-Raumschiff in eine Umlaufbahn befördern soll. Aus finanziellen Gründen wird diese Projekt jedoch ohne einen Start vom damaligen Präsidenten Nixon eingestellt.

29. Juni 1971 bis 12. Dezember 1975. Vom Vandenberg AFB Probe Launch Complex C (PLC-C) finden 6 Starts mit verschiedenen Höhenforschungsraketen (Aerobee 170, Tomahawk Sandia) statt.

Januar 1979. Der Startkomplex SLC-6 wird für ca. 4 Mrd. US-Dollar für das Space-Shuttle-Programm umgebaut. Die Lage der Startanlage erlaubt es im Gegensatz zum Kennedy Space Center in Florida auch polare Umlaufbahnen zu erreichen. Die Startanlage wird soweit fertiggestellt, dass die Raumfähre Enterprise zusammen mit einem Außentank und zwei Feststoffraketen zu Versuchszwecken auf die Startrampe gestellt werden kann. Bedingt durch die Challenger-Katastrophe wird das Projekt jedoch gestrichen, so dass es nie zu einem Space-Shuttle-Start von Vandenberg aus kommt. Inzwischen ist SLC-6 erneut für die Delta IV umgebaut und in Betrieb genommen worden.

Ab 15. August 1995. Vom Vandenberg AFB Space Launch Complex 6 wurden bisher Starts von Athena (4 Starts), Delta IV Medium (2 Starts) und Delta IV Heavy (1 Start) durchgeführt. 

Juni 1983. Die Peacekeeper (MX) ICBM wird gestartet.

18. Juni 1983 bis 18. April 1991. Das Raketensilo Vandenberg AFB TP-01 (TP-01, früher auch Silo TP-01) wird  zur Test- und Entwicklungszwecken für Peacekeeper- und Midgetman-Raketen verwendet.

Ab 15. August 1995. Vom Vandenberg AFB Space Launch Complex 6 wurden bisher Starts von Athena (4 Starts), Delta IV Medium (2 Starts) und Delta IV Heavy (1 Start) durchgeführt. Ursprünglich sollte von diesem Startkomplex aus die Titan-III-Rakete mit der bemannten Raumstation Manned Orbiting Laboratory (MOL) gestartet werden. Dieses Projekt wurde jedoch eingestellt. Danach sollte es zum Start des Space Shuttles verwendet werden. Auch dazu ist es nie gekommen.

Ab 27. Januar 2000. Vom Vandenberg AFB Space Launch Complex 8 wurden bisher Starts mit Raketen vom Typ Minotaur 1 und Minotaur 4 durchgeführt um diverse Nutzlasten in die Umlaufbahn zu bringen.

Ab 18. Mai 2005. Die Vandenberg AFB beherbergt nun auch das Joint Space Operations Center (also das Gemeinsame Weltraumoperationszentrum) der US-Luftwaffe. Vandenberg ist zudem auch der Sitz des (Stand: Herbst 2006) von Generalmajor William L. Shelton befehligten Joint Forces Component Command (JFCC SPACE), das für die Weltraumaktivitäten des United States Strategic Command ebenfalls eine entscheidende Rolle spielt (vgl. Weltraumwaffe, National Missile Defense, National Space Policy).

März 1991. Die Titan IV startet.

April 1995. Start der Pegasus.

Februar 1996. Start der Delta-Raketen.

2. Dezember 2010. Der erste Flug des unbemannten Raumtransporters X-37B (OTV-1) endet nach genau 224 Tagen, 8 Stunden und 24 Minuten im Orbit mit einer völlig autonomen Landung auf der US-Luftwaffenbasis Vandenberg bei Santa Barbara in Kalifornien. Über die Ziele der Mission und den Einsatzzweck des Fluggerätes wurden bisher keine Details bekannt gegeben.

16. Juni 2012. Der zweite Flug einer X-37B (OTV-2) beendet nach mehr als einem Jahr seine Mission und landet nach 469 Tagen im All auf der US-Luftwaffenbasis Vandenberg. Im Orbit sollen Systemtests und militärische Experimente durchgeführt worden sein.

17. Oktober 2014. Der dritte Flug einer X-37-B (OTV-1) landet auf der US-Luftwaffenbasis Vandenberg. Was OTV-1 so lange im Weltraum gemacht hat ist unbekannt. Von der US Air Force gibt es nur den Kommentar "Unspezifizierte Experimente". Auch das Budget für die Mission ist nicht bekannt.

Bilder aus Wikimedia Commons
Vandenberg Air Force Base, Lizenz: Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 generisch“ (US-amerikanisch), Urheber: Doc Searls from Santa Barbara, USA

Quellen

Atomkraftwerk Borken

Marktplatz von Borken
Das geplante deutsche Atomkraftwerk Borken (Abkürzung KWB) sollte nahe Borken im Bundesland Hessen gebaut werden. Das im Borkener Ortsteil Stolzenbach geplante Werk wurde wegen politischem Widerstand und fehlendem Strombedarf seitens Preussenelektra im Jahr 1988 endgültig zurückgezogen.

Geplant war ein Druckwasserreaktor der KWU-Baulinie '80 mit einer elektrischen Bruttoleistung von 1300 MWe und einer elektrischen Nettoleistung von 1200 MWe.

Bis zur endgültigen Einstellung des Projekts wurde für das geplante Kraftwerk das Kürzel KWB verwendet. Erst seit der Projekteinstellung wird das Kürzel für das Atomkraftwerk Biblis verwendet. 

Das Werk sollte in der überarbeiteten Fassung vom November 1985 neben Elektrizität auch Fernwärme ausspeisen.

Geschichte

1973. Preussenelektra kündigt an, ein Atomkraftwerk im hessischen Borken, Bezirk Kassel, errichten zu wollen. Geplant ist ein 1300 MW starker Leichtwasserreaktor, der baulich mit den Anlagen Emden, Cuxhaven und Brokdorf identisch sein soll. 

1974. Preussenelektra gibt bekannt, dass man URENCO als erstes deutsches Versorgungsunternehmen über eine Absichtserklärung den Auftrag erteilt habe, Uran für den Brennstoff ein neues Kernkraftwerks im hessischen Borken anzureichern. Die ersten Planungen rechnen mit einer Inbetriebnahme des Werkes frühstens 1982.

11. September 1974. Preussenelektra reicht ein Gesuch für die erste Teilerrichtungsgenehmigung des Werkes beim Hessischen Wirtschaftsministerium ein. Im Laufe des Jahres 1975 soll der Auftrag des Werkes vergeben werden damit der Block frühestmöglich 1976 in Bau gehen könnte.

1975 und 1976. Am Standort werden Bohrungen vorgenommen um ihn auf seine Eignung zu erkunden. 

1976. Örtlich kommt es allerdings zu Widerstand gegen das Atomkraftwerk der sich in Form von Protesten widerspiegelt.  Daher kann der Auftrag nicht in diesem Jahr vergeben werden, sondern muss auf 1977 verschoben werden. Dies hat zur Folge, dass der Bau erst 1978 beginnen könnte und die Inbetriebnahme frühstens 1984 realisiert werden könnte.

1977. Die Daten für die Vergabe und Baubeginn werden beibehalten, die Inbetriebnahme aber auf 1985 verschoben.

Bis 1978. Preussenelektra lässt Angebote von verschiedenen Lieferanten für einen Druckwasserreaktor zukommen. Die Bürger von Borken mobilisieren sich während dieser Zeit zu Bürgerinitiativen gegen das Atomkraftwerk und veranstalten entsprechende Informationsveranstaltungen, in denen vornehmlich Aktivisten das Wort haben. Auch die Kirchengemeinde von Borken engagiert sich gegen das Atomkraftwerk.

1981. Die Bundesregierung unter SPD-Kanzler Helmut Schmidt macht Druck auf die Betreiber und hält es für erforderlich, dass Borken unter anderem mit den Atomkraftwerken Neupotz-1 und Pfaffenhofen noch innerhalb der laufenden Legislaturperiode eine Baugenehmigung erhalten.
Aufgrund der fortwährenden Verzögerungen und den richterlichen Entscheidungen zum Atomkraftwerk Wyhl verschiebt die Preussenelektra jedoch die Inbetriebnahme und damit den Bau des Werkes auf unbestimmte Zeit. Die Planungen für das Atomkraftwerk werden bis auf weiteres eingestellt.

3. August 1982. Der Standortsicherungsplan von Hessen wird seitens der Landesregierung abgeändert. Danach sind von den zuvor zwölf gelisteten Standorten nur noch Biblis, Borken, Wölfersheim und Großkrotzenburg übriggeblieben. Dies bedeutet für Borken jedoch, dass es für den Bau eines Atomkraftwerks keinen Alternativstandort mehr gibt als die vier gelisteten Anlagen.

1984. Die Preussenelektra rechnet nicht vor 1995 mit der Inbetriebnahme und Notwendigkeit dieses Atomkraftwerks.

November 1985. Die Preussenelektra aktiviert das Projekt wieder weil sie langfristig plant ab 1993 das am Standort befindliche Kohlekraftwerk abzuschalten. Die CDU-Fraktion im Hessischen Landtag spricht sich in der Folge dafür aus das Atomkraftwerk und die Prüfverfahren zügig umzusetzen. Der Zeitraum ist im Schnitt sehr eng berechnet, weil das Kernkraftwerk bereits 1993 zur Verfügung stehen soll, wenn das Kohlekraftwerk vom Netz geht. Das hessische Wirtschaftsministerium möchte allerdings vor der Prüfung des Projekts selbst erst eine Bedarfsprüfung durchführen, ob das Werk überhaupt nötig sein wird. Im Gegensatz zum älteren Projekt wird die benötigte Leistung des Werkes nach oben korrigiert. Damit müsste der Block nach dem Konvoi-Programm ausgelegt werden und mindestens eine Leistung von 1370 MW zur Verfügung stellen.

26. April 1986. Beginn der Katastrophe von Tschernobyl

18. Dezember 1986. Die rot-grüne Landesregierung versucht das AKW endgültig zu verhindern und lehnt den Prüfantrag nach viermonatiger Prüfung ab. Für Preussenelektra ist das kein Problem, weil bisher kein Bauantrag gestellt wurde und das Kraftwerk nach den letzten Bedarfsrechnungen erst Mitte der 1990er benötigt werden würde. Grund für die Ablehnung ist, dass das Hessische Wirtschaftsministerium errechnete, dass es keinen Zuwachs im Stromverbrauch in Hessen geben werde und daher der Block nach Paragraph 4 des Energiewirtschaftsrechtes überflüssig wäre und die Bedarfsprognose der Preissenelektra falsch berechnet sei. Totzdem klagt die Preussenelektra gegen diese Ablehnung beim hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel und fechtet damit diese Schlussfolgerung des Ministeriums an.

1987. Preussenelektra zieht die Klage zurück. Der SPD-Kandidat auf das Amt des Ministerpräsidents in Hessen, Hans Krollmann, erörtert allerdings noch 1987 den möglichen Bau eines Hochtemperaturreaktors in Borken, während der CDU-Kandidat das Werk für überflüssig hält. weil auch andere Betreiber ihre Atomkraftwerksprojekte bis 1988 zurückstellen wird auch Borken bis zum entsprechenden Bedarfsmoment zurückgestellt.
Langfristig erwartet man allerdings aufgrund der wohl in Zukunft nötigen Dimensionen, dass sowohl die Größe des Projekts, als auch der Kraftwerkstyp sich unterscheiden werden. Die Zeitschrift Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 33 aus dem Jahr 1988 geht deshalb nicht mehr von einem Atomkraftwerk aus, sondern einem konventionellen Großkraftwerk. Als Alternative zum Atomkraftwerkslock erwägt Preussenelektra ab 1990 den Bau eines Steinkohlekraftwerks.

Atomkraftwerke in Deutschland

BASFBiblis, BorkenBrokdorfBrunsbüttel, Cuxhaven, Emden, EmslandGrafenrheinfeld, Greifswald, Grohnde, Großwelzheim, Gundremmingen, Hamm, Hamm-Uentrop, Isar, Jülich, Kahl, Kalkar, Kirschgartshausen, Krümmel, KNK Karlsruhe, Lingen, MFZR Karlsruhe, Mühlkeim-Kärlich, Neckarwestheim, Neupotz, Niederaichbach, Obrigheim, Pfaffenhofen, Philippsburg, Rheinsberg, Stade, Stendal, Unterweser, Vahnum, WürgassenWyhl

Bilder aus Wikimedia Commons


Marktplatz von Borken, Lizenz: Gemeinfrei, Urheber: Axel Hindemith

Quellen