Samstag, 20. September 2014

Rüstungskonzern Piwdenmasch (Juschmasch)

Wladimir Putin kommt bei seinem Staatsbesuch 2001
in der Ukraine unter anderem auch zu Juschmasch
Der ukrainische Rüstungskonzern Juschmasch beziehungsweise Piwdenmasch (ukrainisch Виробниче Об'єднання Південний Машинобудівний Завод імені А. М. Макарова; russisch Производственное Объединение Южный Машиностроительный Завод имени А. М. Макарова; Übersetzung: Produktionsvereinigung südlicher Maschinenbauwerke benannt nach A. M. Makarow) stellt Raketen, Satelliten und Raumfahrzeuge, aber auch Landtechnik, Busse, Straßenbahnen und Windkraftanlagen her.

Juschmasch produzierte unter anderem die erste Atomrakete der Sowjetunion, die R-5, aber auch die Modelle R-12, R-14, R-16 (die erste ICBM der Sowjetunion), R-36, MR UR-100. Während der sowjetischen Zeit konnten jährlich etwa 120 Raketen hergestellt werden.

Das Unternehmen ist zusammen mit dem ukrainischen Entwickler für Raketen und Raumfahrzeuge "KB Juschnoje" mit 15 Prozent an dem Raumfahrt-Unternehmen Sea Launch beteiligt. Dieses vermarktet wiederum Raketenstarts von einer speziell adaptierten Bohrplattform in Äquatornähe.

Des Weiteren gehört auch die Maschinenfabrik Pawlohrad zum Unternehmen. Heute werden hier unter anderem Zenit-Trägerraketen und die Dnepr-Raketen gefertigt. Der überwiegende Teil der Produktion wird nach Russland geliefert. 

Aktueller Direktor ist Wiktor Schjogol. 

Leonid Kutschma, langjähriger Direktor des Unternehmens, wurde anschließend 1990 Abgeordneter, 1992 Ministerpräsident und 1994 Präsident der Ukraine. Er hatte das Amt bis 2004 inne. Kutschma ist eher prorussisch und war mit Janukowitsch verbunden. Der ukrainische Präsident Poroschenko, unter Janukowitsch Außenminister, hatte Kutschma im Juni 2014 damit beauftragt, mit den Separatisten über den Waffenstillstand im Rahmen der trilateralen Verhandlungen zu vereinbaren, was von den nationalistischen Kräften in Kiew nicht gutgeheißen wurde.

Geschichte

1944. Das Unternehmen wird als Werk 586 in Dnipropetrowsk gegründet. Dnjepropetrowsk spielte in der Sowjetunion eine so große Rolle für die Rüstungsindustrie, dass es noch bis in die 90er-Jahre eine geschlossene Geheimstadt war, in die kein Externer einreisen durfte.

1954. Die Firma wird in einen Herstellungsbetrieb (Piwdenmasch) und das Entwicklungsbüro Juschnoje (damals OKB-586) geteilt.

Ende der 1980er Jahre. Juschmasch wird als Hauptproduzent der Topol-M ausgewählt. Im Zuge der Perestroika sinkt die Nachfrage jedoch signifikant und Juschmasch wird teilweise in eine zivile Maschinenfabrik umgewandelt. Daher werden dort bis heute auch Verkehrsmittel, Windturbinen und andere zivile Maschinen hergestellt.

2001. In diesem Jahr werden Produkte im Wert von 335,6 Millionen Hrywnja verkauft.

Januar 2003. Mit 13.000 Mitarbeitern ist Piwdenmasch einer der größten Industriebetriebe der Ukraine.

2014. Während der Krise in der Ukraine 2014 muss das Unternehmen aufgrund fehlender russischer Aufträge die Produktion reduzieren und Kurzarbeit einführen.

27. August 2014. Valentia Semenvyuk-Samsonenko (Leiterin der Staatlichen Privatisierungsgesellschaft) wird laut Hans-Josef Fell (Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Ex-Abgeordneter der Grünen im Bundestag) in ihrem Haus erschossen aufgefunden. Man geht offiziell von Selbstmord aus, auch wenn Mord nicht ausgeschlossen wird. Sie sollte laut Fell auch den Konzern Pivdenmasch privatisieren, das lässt sich allerdings nicht wirklich bestätigen.

29. August 2014. Nach Angaben von Hans-Josef Fell befindet sich Piwdenmasch im Besitz von Zugriffscodes zu 85% der russischen Atomabwehrwaffen. Der Rüstungskonzern Piwdenmasch stellt der russischen Regierung ein auf fünf Tage befristetes Ultimatum, ihre im Zuge des Konfliktes in der Ostukraine ins Land gebrachten Waffen und Soldaten wieder abzuziehen. Werde dies nicht befolgt wolle man diese Informationen an die NATO und die USA übergeben.

Bilder aus Wikimedia Commons
Wladimir Putin in der Ukraine, Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported, Urheber: Presidential Press and Information Office

Quellen

Atomenergie in der Ukraine


Atomkraftwerk Tschernobyl / Block 4

In der Ukraine sind vier Atomkraftwerke sowjetischer Bauart mit 15 Reaktorblöcken und einer installierten Bruttogesamtleistung von 13.835 MW am Netz.
Der zu DDR Zeiten begonnene Bau eines AKWs mit Reaktorblöcken gleichen Typs wurde in Stendal (Sachsen-Anhalt) wegen erheblicher Sicherheitsbedenken nicht fertiggebaut.
Zwei weitere Reaktorblöcke mit einer Bruttogesamtleistung von 2.000 MW sind in Bau, ein Atomkraftwerk mit vier Reaktorblöcken und einer Bruttogesamtleistung von 3.800 MW wurde bereits stillgelegt. Naja nicht ganz. Ein Block davon davon - Tschernobyl Block 4 - hat sich bekanntlich am 26. April 1986 selbst "stillgelegt" und die "Katastrophe von Tschernobyl" nahm ihren Anfang.
Für den Betrieb aller Atomkraftwerke des Landes ist der ukrainische staatliche Atomkonzern Energoatom zuständig.
In der Ukraine wurde der Reaktorblock Tschernobyl 1 am 26. September 1977 als erster in Betrieb genommen. Der Reaktorblock Riwne 1 wurde am 31. Dezember 1980 in Betrieb genommen und ist der älteste, der noch genutzt wird. Das Atomkraftwerk Saporischschja ist mit seinen sechs Reaktorblöcken und einer installierten Bruttoleistung von 6.000 MW das leistungsstärkste. Die 13 leistungsstärksten Reaktorblöcke haben eine Bruttoleistung von jeweils 1.000 MW.
Die Atomenergie hatte im Jahr 2012 in der Ukraine einen Anteil von 43,58 Prozent an der Gesamtstromerzeugung. Damit steht die Ukraine bei der Stromerzeugung durch Atomenergie weltweit an fünfter Stelle. Da  die Brennstäbe vor allem von TVEL, einer Tochter des russischen Staatskonzerns Rosatom, geliefert werden ist das Land - wie beim Gas auch - in der Atomenergie fast völlig von Russland abhängig. Auch ein großer Teil der besonders qualifizierten Experten in ukrainischen Atomkraftwerken kommt nach wie vor aus Russland.
Bisher fand die Aus- und Weiterbildung der ukrainischen Atomfachkräfte an der „Universität von Sewastopol für Atomenergie und Atomwirtschaft“, die auch einen Forschungsreaktor betreibt, statt. In Zusammenarbeit mit Russland wollte man eine gemeinsame Brennelementefabrik errichten. Der Atommüll geht in den Ural oder nach Sibirien. Insgesamt müssen in der Ukraine 31 Atomanlagen überwacht werden.
Nun wird in den AKWs der Ukraine um Einfluss gerungen. Während Russland seine Macht über die Ukraine und die Reaktoren erhalten möchte wollen sich die Regierung und die AKW-Betreiber dem Westen zuwenden.
Die Firma Westinghouse versucht seit Jahren im Geschäft mit Brennstoff für russische Reaktoren Fuß zu fassen. In Tschechien und Finnland ist der Konzern bisher damit gescheitert weil der Kern russischer Atomkraftwerke stark vom Design westlicher Atomkraftwerke abweicht. Der Querschnitt der Brennelemente ist sechseckig und nicht quadratisch. Die Abstände, Drücke, Temperaturen, beigesetzte Chemikalien, Anordnung der Steuerstäbe - alles ist anders.
Weil in Atomkraftwerken nicht alle Brennstäbe gleichzeitig ausgestauscht werden stecken nun in 2 Blöcken des Atomkraftwerks Süd-Ukraine Brennelemente russischer und westlicher Produktion direkt nebeneinander. Ein gefährliches Spiel. Die Hersteller Westinghouse und Rosatom werfen einander nun vor, die Sicherheit der Anlage zu gefährden. Aber was nimmt man für einen Umsatz von 600 Mio. Euro nicht alles in Kauf? Man wohnt ja weit genug weg!

Geschichte

26. Septeber 1977. Als erster Reaktorblock der Ukraine wird Tschernobyl 1 in Betrieb genommen.

1980er Jahre. In der Sowjetunion wird in den 1980ern großflächig aus fossilen Kraftwerken Fernwärme ausgespeist, um die Bevölkerung mit Wärme zu versorgen. Weil die Nachfrage allerdings rapide zunimmt, plant man große Atomheizkraftwerke, die sowohl Elektrizität, als auch Fernwärme zu Verfügung stellen könne. Nahe Charkiv (Charkow) sollte eine solche Anlage entstehen. Auf dem Gebiet der Ukraine werden dazu die beiden Atomkraftwerke Odessa und Charkiw (Charkow) geplant. Weitere kombinierte Atomkraftwerke mit Strom- und Fernwärmeproduktion sollten in Minsk, Wolgograd und anderen Städten gebaut werden.

26. April 1986. Die Katastrophe von Tschernobyl beginnt. Block 4 des dortigen AKWs explodiert. Das Kraftwerk hat eine für die Energieversorgung der UdSSR und vor allem für deren Nachfolgestaat Ukraine sehr hohe energiepolitische Bedeutung. Die Ukraine leidet deshalb besonders an dem fehlenden Strom aus dem AKW Tschernobyl. Das Atomkraftwerk liefert ungefähr ein Sechstel des in der Ukraine erzeugten Atomstroms, was etwa 4–10 % der Gesamtstrommenge entsprach. Nur dieser Hintergrund macht es erklärbar, weshalb das Kraftwerk noch 14 Jahre lang nach dem Super-GAU weiterbetrieben wird und weiterhin viele Menschen in diesem Gebiet arbeiteten.
Für den Ersatz der fehlenden Kapazität gibt es drei verschiedene Konzepte: die Vollendung von drei "sichereren" Reaktoren in der Ukraine, deren Bau bereits fortgeschritten ist, der Bau eines Gaskraftwerks mit 3.000 MW Leistung nahe der Stadt Slawutytsch, das einem Teil der Angestellten von Tschernobyl Arbeit geben könnte, oder die Modernisierung von einigen Kohlekraftwerken. Später stellte man die jeweils zu 80 % fertiggestellten Atomkraftwerksblöcke Chmelnyzkyj 2 und Riwne 4 vom Typ WWER-1000 fertig.

1990. Unter dem Eindruck der Katastrophe von Tschernobyl wird ein Baustopp für neue Atomreaktoren erteilt.

Dezember 1991. Im Zuge der Auflösung der Sowjetunion erlangt die Ukraine nach einem Referendum mit 90,3% Zustimmung ihre staatliche Unabhängigkeit. Seitdem sucht sie ihre nationale Identität und ihre internationale Rolle zwischen einer westlichen Orientierung, beispielsweise einer Integration in die Europäische Union, und einer östlichen Orientierung, d. h. einer politischen Orientierung zu Russland hin. Die Ukraine leidet seit ihrer Unabhängigkeit unter schweren wirtschaftlichen und demografischen Problemen. Seit ihrer Unabhängigkeit sank die Einwohnerzahl um mehr als 6,25 Millionen Menschen. Auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Sowjetunion konnte seither nicht erreicht werden. Das Bruttoinlandsprodukt der Ukraine erreichte im Jahr 2012 nur 69,3 % des Wertes von 1990.

1994. Die Ukraine verpflichtet sich im sogenannten Budapest Memorandum gegen Sicherheitszusagen von Russland, den USA und Großbritannien zur Übergabe seiner Atomwaffen an Russland. Sie verfügt zu dem Zeitpunkt über etwa 1900 Atomsprengköpfe und damit weltweit über die drittgrößte Anzahl.

September 1998. Ein monatelanger Zahlungsausfall führt zum Streik aller Atomarbeiter des Landes obwohl dies per Gesetz verboten ist.

2000. Der letzte Reaktor von Tschernobyl wird erst jetzt endgültig stillgelegt. Zuvor war er von der ukrainischen Regierung als Verhandlungsmittel in internationalen Finanzprogrammen eingesetzt worden. Im Gegenzug zur Stillegung wurde von der Ukraine eine Finanzhilfe für die Fertigstellung der Reaktoren von Khmelnitsky und Rovno erreicht.

2005. Laut einem Bericht der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) zeigen 4% der bisher in der Ukraine verwendeten Brennstäbe Lecks. Ein Viertel davon muss vorzeitig aus dem Reaktorkern entfernt werden. Daher wird das Design der Brennstäbe in den nächsten Jahren substantiell verändert.

2008. Die Ukraine beginnt nach 18 Jahren mit dem Bau neuer Atomreaktoren. Den Zuschlag für den Neubau der Reaktoren des Atomkraftwerkes Chmelnyzkyj erhält das russische Staatsunternehmen Atomstrojexport.

2010. Der ukrainische Konzern „Jadernoje Topliwo“ und der russische Konzern TWEL unterzeichnen ein Rahmenabkommen zur Gründung eines Joint Ventures für die Realisierung des Bauprojekts einer Fabrik zur Produktion von Atombrennstoff in der Ukraine. Der Anteil der Ukraine beträgt 50 Prozent + 1 Aktie, Russlands 50 Prozent – 1 Aktie. Westinghouse bot eine ähnliche Fabrik zu bauen an, jedoch wurde TWEL ausgewählt, weil sich diese, im Unterschied zum Konkurrenten, beim Ausschreibungsantrag dazu verpflichtet hatte der Ukraine alle notwendigen Technologien zur Verfügung zu stellen. Laut Maxim Schein (Leiter der Analyseabteilung des Investmentunternehmens „BrokerCreditService“) waren zuvor auch Kanada und Südkorea als potentielle Investoren aufgetreten.

2011. In zwei Reaktoren vom AKW Süd-Ukraine werden Brennelemente des westlichen Konzerns Westinghouse eingesetzt. Diese verbiegen sich innerhalb eines Jahres um bis zu 30 Millimeter.

11. März 2011. In Japan beginnt die Katastrophe von Fukushima.

April 2012. Ein Reaktor nahe der süd-ukrainischen Stadt Juschnoukrajink muss abgeschaltet werden. Eine Hochspannungsleitung war durch den Ausfall eines Transformators unterbrochen worden. Ein Ausritt von Radioaktivität wurde jedoch angeblich nicht gemessen.

2013. Die Ukraine belegt bei der Intensität der Forschungstätigkeit Platz 37, bei Hochtechnologie Platz 47, bei der Anzahl der Wissenschaftler Platz 39.

März 2013. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) und die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) sagen der Ukraine Kredite von jeweils 300 Millionen Euro zur Modernisierung ihrer maroden Nuklearanlagen zu.

24. Januar 2014. Spätestens jetzt sind alle Atomanlagen in der Ukraine unter "Sonderschutz" gestellt. Der Objektschutz wurde durch zusätzliche "Einheiten der Innentruppen" verstärkt.

25. Januar 2014. Aktivisten der Bewegung "Gemeinsame Sache" besetzen das Ministerium für Energie und Kohleindustrie in Kiew. Der Leiter der Gruppierung, Alexander Daniljuk, erklärt dazu: "Die Wache leistete keinen Widerstand. Wir werden Aktivitäten zum Lahmlegen der zentralen Machtorgane fortsetzen."

27. Januar 2014. Der Inlandsgeheimdienst (SBU) schätzt die Lage folgendermaßen ein: "Mit den Erscheinungen des Extremismus gehen vermehrte anonyme Drohungen der Sprengung von Wasserkraftwerken sowie Atomenergie-Objekten einher, deren Beschädigung unvorhersehbare und verheerende Folgen für die Bevölkerung der Ukraine und der Nachbarstaaten haben könnte. (…) Vorkommnisse rund um die Objekte des nationalen Energieversorgungssystems wirken sich negativ auf die Sicherheit unseres Staates aus und stellen eine Bedrohung für dessen Funktionieren, wie auch für das Leben und die Gesundheit der Bürger dar.

28. Januar 2014. Die Janukowitsch-Regierung verbietet wegen der angespannten Sicherheitslage russische Atomtransporte durch die Ukraine mit denen russische AKWs in Slowenien, Tschechien und Ungarn versorgt werden.

30. Januar 2014. Piotr Tschernow (Direktor der Abteilung für Atomenergie und Atomindustrie des Energieministeriums) bestätigt: "Alle Energieanlagen der Ukraine, darunter die Wasser- und Atomkraftwerke, werden planmäßig betrieben und stehen unter verstärktem Schutz. Die diesbezüglichen Sicherheitsmaßnahmen umfassen mehrere Etappen und berücksichtigen alle möglichen Risiken."

9. Februar 2014. Der SBU gibt wieder eine Stellungnahme heraus: "Die Anti-Terror-Einheiten (wie z. B. die Gruppe Alpha) würden in erhöhte Einsatzbereitschaft versetzt, weil es eine zunehmende Zahl von Meldungen über das Verminen von wichtigen Industrieobjekten (internationale Flughäfen, Bahnhöfe, Pipelines, Atom- und Wasserkraftwerke) gäbe."

Mitte Februar 2014. Valentin Naliwaitschenko (Chef des Geheimdienstes der Ukraine) berichtet, dass ihm die Pläne zur Sicherung der Atomkraftwerke nicht bekannt sind und sein Amtsvorgänger telefonisch nicht erreichbar ist.

19. Februar 2014. Nach Angaben des (alten) ukrainischen Innenministeriums wurden bis jetzt 1.500 Waffen und 100.000 Patronen bei der Plünderung staatlicher Waffenlager gestohlen.

20. Februar 2014. Oppositionelle besetzen am frühen Morgen das Verwaltungsgebäude auf dem Gelände des Atomkomplexes in Rowno besetzten, und zünden den Hauptserver und Aktenarchive an.

März 2014. Die neuen ukrainischen Machthaber sehen sich gezwungen, das Katastrophen-AKW Tschernobyl durch Truppen des Innenministeriums stärker zu schützen.

1. März 2014. Die Sprecherin des russischen Parlaments Valentina Matviyenko erklärt: "Es gibt viele gefährdete Atomreaktoren und andere atomare Einrichtungen in der Ukraine." Wenn das Chaos anhält, werde das alle betreffen: "Die Sicherheit der hochriskanten Einrichtungen muss sichergestellt werden, um eine größere Tragödie zu verhindern."

2. März 2014. Nach der alten Janukowitsch-Regierung zeigt sich nun auch die neue ukrainische Administration besorgt: Das Parlament in Kiew fordert die internationale Staatengemeinschaft (USA, EU und NATO) auf, sie solle zum Schutz der Atomanlagen Hilfe leisten. Der Abgeordnete Abgeordnete Hryhoriy Nemyria fordert eine Entsendung internationaler Schutztruppen.

5. März 2014. Dmidrij Rogosin (Vizepremierminister von Russland) erklärt dass Russland der Ukraine keinen Atomsbrennstoff mehr liefern würde weil die Lage dort zu instabil wäre.

6. März 2014. Das Transportverbot für russische Atomtransporte wird wieder aufgehoben.

7. März 2014. Sergei Kirijenko (Chef von Rosatom) dementiert die Erklärung von Rogosin vom 5. März 2014. Man werde sich an alle Verträge halten. "Wir haben komplizierte Beziehungen zur Ukraine, aber es gab keine Unterbrechung und wird keine geben".

19. März 2014. Wladimir Kuznetsow (Russischer Atomexperte) berichtet in einer öffentlichen Anhörung des Bundestages zur Reaktorsicherheit von "massiven Sicherheitslücken" in den ukrainischen Atomkraftwerken.

Ende März 2014. Abgeordnete der damaligen Regierungsparteien „Vaterland“ und „UDAR“ bringen im Kiewer Parlament einen Gesetzentwurf ein, der den Austritt der Ukraine aus dem Vertrag über die Nichtverbreitung von Atomwaffen vorsieht. Mustafa Dschemilew (Parlamentarier und Führer der Krim-Tataren, der FR) meint: „Hätten wir unsere Atomwaffen behalten, Russland hätte sich nicht auf die Krim gewagt“. Welches atomare Schwellenland würde angesichts des Verrats am Budapester Protokoll künftig die Sicherheitsgarantien der Atommächte ernst nehmen? Einige ukrainische Medien flirten regelrecht mit der Bombe. Nach einem Auftritt vor der UN-Vollversammlung, wo er die gebrochenen Budapester Garantien beklagte, wurde er von Vertretern des US-Außenministeriums jedoch gebeten, das Thema Atomwaffen künftig ruhen zu lassen.

April 2014. Die NATO entsendet "zivile Experten" um den Schutz der AKWs und weiterer Energie-Infrastruktur wie Gasanlagen sicherzustellen.

Mitte April 2014. Der US-amerikanische Atomkonzern Westinghouse schließt mit dem ukrainischen staatlichen Atomkonzern Energoatom, der für den Betrieb aller ukrainischen Atomkraftwerke zuständig ist, einen bis 2020 befristeten Vertrag über die Lieferung US-amerikanischen Atombrennstoffes in die Ukraine. Dabei geht es um hunderte von Millionen US-Dollar pro Jahr. Westinghouse möchte bis zu ein Viertel des ukrainischen Bedarfs decken damit seine Fabrik in Schweden ausgelastet ist.
Danach meldet sich der Radiosender Voice of Russia mit der Meldung, die Ukraine wäre auf dem besten Wege, 15 weitere Tschernobyl-Desaster anzurichten weil in russische Reaktoren nur russischer Brennstoff passe. Diese Botschaft wird auch über viele andere Kanäle verbreitet. Angela Merkel (Bundeskanzler von Deutschland) bekommt diese Aussage von Wladimir Gusenew (Stellvertretender Vorsitzender des Industrieausschuss der russischen Duma).
Die langjährige Vorsitzende der staatlichen Atomaufsicht wird "auf eigenen Wunsch" von Arsenij Jazenjuk (Ministerpräsident der Ukraine) entlassen. Ersatz ist ein früherer Stellvertreter der zuletzt Manager bei der Betreiberfirma Energoatom war. Er entscheidet nun über Anträge seiner Ex-Firma. Darunter auch welche Brennelemente verwendet werden dürfen.

Mai 2014. Arsenij Jazenjuk (Ministerpräsident der Ukraine) warnt in einem Brief an den Gerneralsekretär der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) vor "illegalen bewaffneten Aktionen russischer Truppen auf dem Gebiet der Ukraine" und dass Russland Energie als "neue Atombombe" gegen sein Land einsetzen wolle.
Derweil sind "NATO-Experten" in der Ukraine "um die Kiewer Regierung bei der Sicherung der Atomanlagen zu beraten. Sie formulieren mehr als ein Dutzend Empfehlungen. Dabei "unter anderem zusätzliche Sicherheitstests, um alle aktuell drohenden Szenarien zu erfassen, allen voran die Eroberung eines Atomkraftwerks oder aber Kampfhandlungen in unmittelbarer Umgebung der Reaktoren."
Viel Aufmerksamkeit sollen sie auch der Frage gewidmet haben, wie die zentralen und lokalen Behörden zusammenarbeiten, wenn die Kämpfe plötzlich in die Nähe eines Atomkraftwerks rücken.

19. Mai 2014. Anders Fogh Rasmussen (NATO-Generalsekretär) sagt gegen Ende einer Pressekonferenz auf Nachfrage eines Journalisten:  "Ja, wir haben auf Bitten der Ukraine eine kleine Gruppe ziviler Experten in die Ukraine entsandt, um den Behörden zu helfen, die Sicherheit ihrer zivilen Atomanlagen zu verstärken."

Juli 2014. Rita Schwarzelühr-Sutter (Parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium) erklärt besorgten Bundestagsabgeordneten in einem Schreiben dass die Ukraine aus ihrer Sicht die "nukleare Sicherheit gewährleisten" kann. Auch Auswirkungen auf die Arbeiten am havarierten Reaktor von Tschernobyl sieht sie nicht.

13. August 2014. Das Ministerkabinett der Regierung in Kiew verabschiedet offenbar eine Verordnung laut der die Nationalgarde damit beauftragt wird, für die Sicherheit von Trägerraketen, Atombrennstoff und Atommüll in der Ukraine zu sorgen. Die Nationalgarde soll nach dem Februar-Umsturz aus loyalen Soldaten und Freiwilligen aufgestellt worden sein. Laut Medien gehören ihr "Maidan-Aktivisten" und Mitglieder der ultranationalistischen Bewegung "Rechter Sektor" an. Sie soll gemeinsam mit der regulären Armee seit April im Osten der Ukraine gegen bewaffnete Regierungsgegner kämpfen.

26. August 2014. Das Bundesumweltministerium erklärt: "Eine unmittelbare Gefährdung der ukrainischen Atomanlagen lässt sich derzeit nicht erkennen ... Die Bundesregierung hat ein elementares Interesse daran, dass neben der Gewährleistung der Betriebssicherheit die ukrainischen Atomkraftwerke diese auch gegen Anschläge ausreichend geschützt werden ..." Die deutsche Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) steht offenbar mit der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde und mit Sachverständigen der Ukraine in ständigem Erfahrungsaustausch um die atomare Sicherheit und Sicherung zu verbessern. "Die ukrainische Atombehörde hat darüber hinaus ihr Interesse an einer Ausweitung der Zusammenarbeit mit Deutschland zu Fragen der Anlagensicherung geäußert". Deutschland würde mit seinen Partnern prüfen, wie die internationale Gemeinschaft und Deutschland die Ukraine bei diesem Anliegen unterstützen können.

29. August 2014. Sergej Tschimtschew (Pressesprecher des AKW Saporischschja) meint großspurig dass "sein" AKW mit den sechs Atomreaktoren nicht nur das größte, sondern auch das sicherste Europas wäre. Das Reaktorgebäude ist sogar gegen Flugzeugabsturz gesichert. Selbst wenn die Kämpfe näher kommen sollten und Minen, Granaten oder gar Raketen auf das Reaktorgelände treffen, müssten wir schlimmstenfalls das Kraftwerk herunterfahren".
Laut Sergej Boschkow (Chef der ukrainischen Atomaufsicht) vergisst er dabei jedoch dass "unsere modernen AKW der Baureihe WWR 320 gegen den Absturz kleiner Flugzeuge bis etwa zehn Tonnen gesichert sind. Aber schon für eine Boeing 737 mit ihren rund 60 Tonnen ist das natürlich nicht ausreichend."
Zudem sind AKWs laut Boschkow schweren Waffen, wie sie jetzt im Osten der Ukraine eingesetzt werden, sind die Atomkraftwerke nahezu schutzlos ausgeliefert. "Kein AKW auf der Welt ist gegen militärische Angriffe gesichert. Diese Atomkraftwerke sind nicht für Krieg ausgelegt, sondern für Frieden".
Fast noch mehr gilt das für mehr als 100 Spezialbehälter mit abgebrannten Brennelementen, die in Saporoschje ungeschützt im Freien stehen. Dazu kommt, dass die meisten ukrainischen Atomkraftwerke völlig überaltert sind und manche schon gar nicht mehr am Netz sein dürften.
Olexi Passiyuk (Internationales Ökologisches Zentrum der Ukraine) erwähnt dass nicht einmal der Reaktor selbst getroffen werden muss, um eine Katastrophe auszulösen: "Da gibt's die ganze Infrastruktur mit frischen und abgebrannten Brennelementen, die permanent gekühlt werden müssen. Und wenn die Kühlung zerstört wird, erhitzen sich die Brennelemente, sie schmelzen und Radioaktivität tritt aus. Also: Niemand kann garantieren, dass nichts passiert."
Nikolai Steinberg (Vorstandsmitglied der ukrainischen Atomaufsicht) sagt gegenüber dem Westdeutschen Rundfunk (WDR): Atomkraftwerke und Krieg sind nicht miteinander vereinbar. Ein Krieg mit konventionellen Waffen in einem Gebiet mit Atomkraftwerken wird früher oder später unweigerlich zu einem "atomaren" Krieg."
Die Ukraine ist das erste Land, mit mehr als einem AKW in dem seit Wochen mit schweren und modernsten Waffen Krieg geführt wird. Es werden beispielsweise Panzerabwehrwaffen wie die "Kornett" eingesetzt. Die durchdringen bis zu 5 Meter Beton. Auch "Grad"-Raketen mit Bomblets, Bunkerknacker, thermobarische Munition und Bomben bis zu 1500 Kilogramm gibt es auf beiden Seiten.
Laut Tobias Münchmeyer (Atomexperte von Greenpeace) ist die Reaktorhülle des AKW Saporischschja jedoch gerade einmal lächerliche 1,2 Meter dick. Da geht ein "Kornett" durch wie ein Messer durch weiche Butter. Zudem ist die Ukraine zudem von russischen Experten und Ersatzteilen abhängig. Nötige Lieferungen werden da wohl jetzt ausbleiben.

30. August 2014. Das russische Militär ist eng mit der ukrainischen Rüstungsindustrie verbunden. Laut Hans-Josef Fell (Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Ex-Abgeordneter der Grünen im Bundestag soll der ukrainische Rüstungskonzern Piwdenmasch, dessen Zentrale in Dnipropetrowsk liegt, laut ukrainischen Medien Moskau ein fünftägiges Ultimatum gesstellt haben. Wenn Moskau nicht innerhalb von fünf Tagen alle russischen Söldner abziehen und die Städte freigeben würde werde man die Zugangscodes für die russischen Atomwaffen an die Nato und die USA übergeben. Der Konzern wäre im Besitz von 85 Prozent der Zugangscodes.

15. September 2014. Waleri Geledei (Kriegsminister der Ukraine) erklärt auf einer Pressekonferenz „Wenn wir uns heute nicht schützen können, wenn die Welt uns nicht hilft, sind wir gezwungen, zur Herstellung ..." von Atomwaffen ... "zurückzukehren, um uns gegen Russland zu verteidigen“. Russland würde der Ukraine schon mit einem Atomkrieg drohen. Auf inoffiziellen Kanälen habe es mehrfach gedroht, taktische Atomwaffen einzusetzen, wenn die Ukrainer ihren Widerstand fortsetzten.
Alexander Daniljuk behauptete am Tag zuvor auf Facebook, die russischen Truppen setzten in der Ostukraine überschwere 2C4-Tjulpan-Minenwerfer ein, die unter anderem mit Atomsprengköpfen bis zu zwei Kilotonnen bewaffnet seien, ebenso mit „Smola“- und „Fata“-Neutronen-Geschossen.
Der ukrainische TV-Kanal Inter verkündet dass in der Chemiefabrik Pawlograd noch immer Nuklearsprengköpfe gelagert werden würden. Die Bilder zeigen aber nur Triebwerkteile einer alten Interkontinentalrakete.
Der Russe Winogradow glaubt, die Ukraine würde das Thema nur anheizen, um weiter die Aufmerksamkeit des Westens auf sich zu ziehen. Laut Dschemilew kann sich die Ukraine zurzeit kein Atomwaffenprogramm leisten. Aber auch die politischen Kosten einer atomaren Neubewaffnung sind heftig umstritten.
Alexei Melnik (Sicherheitsexperte aus Kiew) meint „Die Ukraine besitzt die Fachleute und Reaktoren, um Kernwaffen herstellen“. Aber damit schade sie der eigenen Sicherheit, weil sie dann ihre wichtigste Reserve verlieren würde, die Unterstützung der westlichen Welt. „Das ist eine der dümmsten Äußerungen, die unser Verteidigungsminister bisher gemacht hat.“

Atomkraftwerke in der Ukraine

Geplant / in Bau


In Betrieb


Außer Betrieb / Stillgelegt


Explodiert


Abgebaut


Nie in Betrieb genommen / Während der Planung abgebrochen


Forschungsreaktoren in der Ukraine

In Betrieb

WWR-M KIEV

Ausser Betrieb

SNI, IR-100, SPh IR-100

Endlager in der Ukraine

Bisher wird der Atommüll der Ukraine in den Ural oder nach Sibirien gekarrt. Während der Ukrainekrise 2014 überlegt man sich den Müll in leerstehende Bergwerksschächte in der umkämpften Ostukraine im Gebiet Donezk zu verklappen.

Bilder aus Wikimedia Commons
Atomkraftwerk Tschernobyl / Block 4, Lizenz: Creative Commons Namensnennung 2.0 generisch Lizenz, Urheber: Carl Montgomery

Quellen
29.08.2014, Tagesschau, Atomkraftwerke in der Ukraine, Die Angst vor einem zweiten Tschernobyl
27.08.2014, Sueddeutsche, Atomkraftwerke in der Ukraine, Strahlende Risiken
19.08.2014, Riavnovosti, Ukraine: Nationalgarde soll Raketen und Atommaterial bewachen
28.05.2014, Tagesschau, Die andere Gefahr im Tschernobyl-Land, Wie sicher sind die AKW in der Ukraine?
09.05.2014, Sueddeutsche, Kernkraftwerke in der Ukraine, Armdrücken im Reaktorkern
26.04.2014, taz, Atomenergie in der Ukraine, Fragiles Land, marode AKWs
03.03.2014, Deutsche Wirtschaftsnachrichten, Atom-Industrie hat Bedenken wegen Reaktoren in der Ukraine

Atomkraftwerk Saporischschja

Atomkraftwerk Saporischschja
Das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja (ukrainisch Запорізька атомна електростанція, russisch Запорожская атомная электростанция) befindet sich direkt am Fluss Dnepr nahe der Stadt Enerhodar im Südosten der des Landes. Es ist etwa 50 Kilometer von der Großstadt Saporischschja mit 750.000 Einwohnern entfernt. Direkt neben dem AKW steht das konventionelle Kraftwerk Saporischschja. 

Die Lage des AKWs Saporischschja  im Osten des Landes ist kein Zufall. Dort befindet sich das Zentrum der Schwerindustrie.
Rund um Donezk gibt es zahlreiche Bergwerke in denen Kohle, Eisen, Mangan, Titan, Magnesium, Nickel und Quecksilber abgebaut werden. Die Weiterverarbeitung findet in großen Stahlwerken statt. Auch Lokomotiven und Maschinen werden dort gebaut. In der früheren Sowjetunion entstand dort ein Zentrum der Rüstungs- und Raumfahrtindustrie. Vom heutigen ukrainischen Rüstungskonzern Piwdenmasch (früher Juschmasch) in Dnjepropetrowsk wurde zum Beispiel die erste sowjetische Atomrakete R-5 gebaut. Dnjepropetrowsk spielte in der Sowjetunion eine so große Rolle für die Rüstungsindustrie, dass es noch bis in die 90er-Jahre eine geschlossene Geheimstadt war, in die kein Externer einreisen durfte. Russland bezieht immer noch wichtige Komponenten für Raketen, Raumfahrzeuge und Satelliten aus dieser strategisch wichtigen Region.

Das AKW verfügt über insgesamt sechs Blöcke vom Typ WWER-1000/320. Diese haben eine elektrische Leistung von jeweils 1.000 Megawatt und eine thermische Leistung von je 3.200 Megawatt. Die thermische Gesamtleistung der Anlage von fast 20 Gigawatt erfordert enorme Mengen Kühlwasser, die dem Fluss Dnepr, welcher an dieser Stelle extra verbreitert wurde, entnommen werden. Die Leichtwasserreaktoren haben eine elektrische Gesamtleistung von 6.000 Megawatt brutto (5.700 MW netto) und bilden zusammengerechnet die leistungsstärkste Atomkraftwerksanlage Europas.

Die thermische Leistung des AKWs beträgt fast 20 Gigawatt. Das Kühlwasser stammt aus dem Fluss Dnepr. Dieser wurde an der Stelle extra verbreitert, damit er besser die großen Wärmemengen aufnehmen und abführen kann.

Betreiber ist der staatliche Atomkonzern National Nuclear Energy Generating Company Energoatom.

Das Atomkraftwerk versorgt fast den gesamten Süden der Ukraine. Durch den Wegfall aller vier Blöcke des Atomkraftwerks Tschernobyl soll es essenziell für die Energieversorgung der Ukraine sein.

Seit 2013 kommt es in nur etwa 200 Kilometern Entfernung zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Rebellen.

Geschichte

1. April 1980. Baubeginn Block 1. Es ist der erste der sowjetischen Standard-Baureihe WWER-1000/320.

1. Januar 1981. Baubeginn Block 2.

1. April 1982. Baubeginn Block 3.

1. April 1983. Baubeginn Block 4.

10. Dezember 1984. Reaktor 1 wird erstmals mit dem Netz synchronisiert.

22. Juli 1985. Reaktor 2 wird erstmals mit dem Netz synchronisiert.

1. November 1985. Baubeginn Block 5.

25. Dezember 1985. Reaktor 1 geht in den kommerziellen Leistungsbetrieb.

15. Februar 1986. Reaktor 1 geht in den kommerziellen Leistungsbetrieb.

1. Juni 1986. Baubeginn Block 6.

26. April 1986. Die Katastrophe von Tschernobyl beginnt.

10. Dezember 1986. Reaktor 3 wird erstmals mit dem Netz synchronisiert.


15. März 1987. Reaktor 3 geht in den kommerziellen Leistungsbetrieb.

18. Dezember 1987. Reaktor 4 wird erstmals mit dem Netz synchronisiert.


14. April 1988. Reaktor 4 geht in den kommerziellen Leistungsbetrieb.

14. August 1989. Reaktor 5 wird erstmals mit dem Netz synchronisiert.


27. Oktober 1989. Reaktor 5 geht in den kommerziellen Leistungsbetrieb.

Dezember 1991. Im Zuge der Auflösung der Sowjetunion erlangt die Ukraine nach einem Referendum mit 90,3% Zustimmung ihre staatliche Unabhängigkeit.

1992. Das Forschungszentrum Dresden-Rossendorf startetet mit ersten Untersuchungen des Forschungszentrums zur Verbesserung der Sicherheit. 

April 1993. Einige Teile der Anlage werden durch Wasser, welches aus dem Primärkreislauf ausgetreten war, starkradioaktiv kontaminiert.

1994 bis 1997. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten werden in diesen Jahren nur zwei Millionen Dollar investiert.

1995. Das erste Überwachungssystem welches offenbar mit dem Forschungszentrum Dresden-Rossendorf entwickelt wurde geht in 5. Block in den Probebetrieb. Später werden alle sechs Reaktoren damit ausgestattet.

19. Oktober 1995. Reaktor 6 wird erstmals mit dem Netz synchronisiert.


16. September 1996. Reaktor 6 geht in den kommerziellen Leistungsbetrieb.

2014. Während der "Ukraine-Krise" finden  in nur rund 200 Kilometer Entfernung Kampfhandlungen statt.

15. Mai 2014. Eine Gruppe bewaffneter Männer mit Masken in mehreren Autos wird mitten in der Nacht an einem Checkpoint in der Nähe des Atomkraftwerks Saporischschja gestoppt. Sie erklären, dass sie unterwegs seien, um das Atomkraftwerk und die Stadt vor möglichen Angreifern zu schützen. Die örtliche Polizei gibt an, dass sie die Männer verhaftet und die Waffen beschlagnahmt habe. Jetzt soll ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden. Die Massnahmen zur Sicherheit in der Anlage und in Energodar sollen nun erhöht werden.
In Videoaufnahmen sagen die "Angreifer", dass sie Mitglieder der Gruppe Rechter Sektor aus der Saporoshje Region seien. Sie erklären, dass sie gekommen wären um Energodar vor Aktivisten die "russische Fahnen hissen" und in die Stadt wollen, zu schützen. Im Video werden auch nationalistische Parolen gerufen wie "Helden sterben nicht ! Ruhm der Ukraine! Ehre den Helden!"
Auf dem YouTube Videokanal von Svoboda TV heisst es, dass angeblich eine Person erschossen worden sein soll.
Das offizielle Statement des rechten Sektors lautet jedoch dass es keine Plänge gab "das Atomkraftwerk Saporischschja zu stürmen.

29. August 2014. Sergej Tschimtschew (Pressesprecher des AKW Saporischschja) meint großspurig dass "sein" AKW mit den sechs Atomreaktoren nicht nur das größte, sondern auch das sicherste Europas wäre. Das Reaktorgebäude ist sogar gegen Flugzeugabsturz gesichert. Selbst wenn die Kämpfe näher kommen sollten und Minen, Granaten oder gar Raketen auf das Reaktorgelände treffen, müssten wir schlimmstenfalls das Kraftwerk herunterfahren".
Laut Sergej Boschkow (Chef der ukrainischen Atomaufsicht) vergisst er dabei jedoch dass "unsere modernen AKW der Baureihe WWR 320 gegen den Absturz kleiner Flugzeuge bis etwa zehn Tonnen gesichert sind. Aber schon für eine Boeing 737 mit ihren rund 60 Tonnen ist das natürlich nicht ausreichend."
Zudem sind AKWs laut Boschkow schweren Waffen, wie sie jetzt im Osten der Ukraine eingesetzt werden, sind die Atomkraftwerke nahezu schutzlos ausgeliefert. "Kein AKW auf der Welt ist gegen militärische Angriffe gesichert. Diese Atomkraftwerke sind nicht für Krieg ausgelegt, sondern für Frieden".
Fast noch mehr gilt das für mehr als 100 Spezialbehälter mit abgebrannten Brennelementen, die in Saporoschje ungeschützt im Freien stehen. Dazu kommt, dass die meisten ukrainischen Atomkraftwerke völlig überaltert sind und manche schon gar nicht mehr am Netz sein dürften.
Olexi Passiyuk (Internationales Ökologisches Zentrum der Ukraine) erwähnt dass nicht einmal der Reaktor selbst getroffen werden muss, um eine Katastrophe auszulösen: "Da gibt's die ganze Infrastruktur mit frischen und abgebrannten Brennelementen, die permanent gekühlt werden müssen. Und wenn die Kühlung zerstört wird, erhitzen sich die Brennelemente, sie schmelzen und Radioaktivität tritt aus. Also: Niemand kann garantieren, dass nichts passiert."
Nikolai Steinberg (Vorstandsmitglied der ukrainischen Atomaufsicht) sagt gegenüber dem Westdeutschen Rundfunk (WDR): Atomkraftwerke und Krieg sind nicht miteinander vereinbar. Ein Krieg mit konventionellen Waffen in einem Gebiet mit Atomkraftwerken wird früher oder später unweigerlich zu einem "atomaren" Krieg."
Die Ukraine ist das erste Land, mit mehr als einem AKW in dem seit Wochen mit schweren und modernsten Waffen Krieg geführt wird. Es werden beispielsweise Panzerabwehrwaffen wie die "Kornett" eingesetzt. Die durchdringen bis zu 5 Meter Beton. Auch "Grad"-Raketen mit Bomblets, Bunkerknacker, thermobarische Munition und Bomben bis zu 1500 Kilogramm gibt es auf beiden Seiten.
Laut Tobias Münchmeyer (Atomexperte von Greenpeace) ist die Reaktorhülle des AKW Saporischschja jedoch gerade einmal lächerliche 1,2 Meter dick. Da geht ein "Kornett" durch wie ein Messer durch weiche Butter. Zudem ist die Ukraine zudem von russischen Experten und Ersatzteilen abhängig. Nötige Lieferungen werden da wohl jetzt ausbleiben.

2015. Eventuell möglicherweise vielleicht werden Reaktor 1 und 2 abgeschaltet.

2017. Eventuell möglicherweise vielleicht wird Reaktor 3 abgeschaltet.

2018. Eventuell möglicherweise vielleicht wird Reaktor 4 abgeschaltet.

2019. Eventuell möglicherweise vielleicht wird Reaktor 5 abgeschaltet.

2026. Eventuell möglicherweise vielleicht wird Reaktor 6 abgeschaltet.

Atomkraftwerke in der Ukraine

Charkiw (Charkow), ChmelnyzkyjKrim, OdessaRiwneSaporischschjaSüd-UkraineTschernobyl

Bilder aus Wikimedia Commons
Atomkraftwerk Saporischschja, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic, Urheber: Ralf1969

Quellen